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Freitag, 12.9.14

Für heute hatten wir schon in Deutschland die Fähre von Horseshoe Bay nach Nanaimo um 8:30 gebucht. Ohne Frühstück sind wir gleich um 7:15 los gefahren da Check in nur bis 8:00 möglich ist. Eigentlich beträgt die Fahrtzeit nur 15 Minuten, so dass wir ausreichend Puffer eingeplant hatten. Offenbar sind wir aber eine Straße zu früh abgebogen und sind dann die kleine kurvige Landstraße gefahren anstatt auf dem Highway. Dann waren wir eigentlich schon am Ziel, und das auch noch pünktlich, aber dicke Betonpfeiler trennten uns vom Check In und der Auffahrt zum Ferrygelände. Also haben wir wieder umgedreht, sind ein Stück zurück gefahren bis wir auf den Highway konnten. Dort sind wir dann aber in die falsche Richtung gefahren. Also sind wir runter gefahren und in die andere Richtung wieder drauf. Da war jetzt eine sehr verwirrende Baustelle, so dass wir unsere Ausfahrt verpasst haben. Also wieder umdrehen und nochmal zurück. Die Spannung im Auto war zum schneiden. Beim nächsten Mal haben wir dann endlich alles richtig gemacht und kamen am Fährgelände an. Allerdings waren inzwischen alle Autos auf der Fähre – außer wir. Der Mann am Ticketschalter war sehr nett, konnte uns aber trotzdem leider nur sagen dass diese Fähre ohne uns fahren wird und unsere Reservierungsgebühr leider trotzdem eingezogen wird. Damit hatten wir jetzt zwei Stunden Zeit um zu frühstücken und dann noch in den Ort zu laufen um am Hafen einen leckeren Starbuckskaffee zu trinken. Pünktlich um 10:40 legte die Fähre nach Vancouver Island ab. Das Wetter war wieder herrlich, so dass wir auch eine schöne Sicht auf die Skyline von Vancouver hatten. Bei einer günstigen Tankstelle haben wir es zum ersten Mal gewagt zu tanken. Der Tank war noch knapp halb voll, so dass wir dachten mit 100$ müsste er dann voll sein. Also sind wir rein, haben 100$ bezahlt und haben für 100$ getankt. Als ich den Schlüssel ins Zündschloss steckte war der Tank dann ¾ voll. Bei dem Gedanken wieviel Kilometer uns noch bevorstehen bekomme ich Angs dass meine Kreditkarte verglühen wird. Die Fährfahrt war ruhig und schön. Die Fahrt bis ganz in den Norden nach Telegraph Cove zieht sich mit über fünf Stunden ganz schön. Hin und wieder erhascht man einen schönen Blick. Im Großen und Ganzen ist aber die ganze Fahrt ziemlich unspektakulär. So war immerhin genug Zeit, die Julia sinnvoll nutzte um meine Hose zu flicken. Unser Tagesziel war der Campingplatz Alder Bay Resort, von wo aus unsere Whalewatching Tour starten sollte. Der Campingplatz liegt direkt am Wasser und wird relativ stark von „Einheimischen“ frequentiert. Die Nacht inklusive Strom und Abwasseranschluss kostet 35$. Unser Platznachbar hat uns direkt etwas von seinem frisch gefangenen Lachs abgegeben und uns auf ein Glas Wein (das wir gar nicht bekommen haben, weil wir unsere Getränke mit rüber gebracht haben) eingeladen. Wir hatten ziemlich stark den Eindruck als wären hier alle ziemlich froh mal jemanden zum Reden zu haben. Zum Sonnenuntergang liefen wir zum Anlegesteg runter und genossen die Ruhe und Farbenpracht. Von einem Tag auf den anderen waren wir in einer völlig anderen Welt. Donnerstag noch Großstadtmetropole und Freitag Kleinstadtleben am Ende einer Insel, wo sich jeder kennt und alle aufeinander aufpassen. Im Radio wurde gesagt, dass es zur Zeit starke Sonneneruptionen gibt und dass daher möglicherweise die Chance bestünde Polarlichter zu sehen. Nach einem leckeren Abendessen und Lagerfeuer mit den Canadiern hielten wir noch einmal Ausschau danach, fanden aber keine. Also kuschelten wir uns durchgefroren ins Bett und schliefen die erste Runde bis drei. Der Jetlag hängt immer noch in den Knochen. Ich nutzte aber die Gelegenheit, um noch einmal zu schauen ob sich am Himmel was tut. Leider immer noch keine Polarlichter.


Samstag, 13.9.14

Der Wecker klingelte schon um sieben Uhr. Gemütlich haben wir gefrühstückt und gleich alles zusammen geräumt, damit wir mittags sofort los fahren können. Auf den weisen Rat unseres Platznachbarn am Abend zuvor haben wir so ziemlich alles angezogen, was wir dabei haben. Zwei Hosen übereinander, drei Pullis, Jacke und Schal. Pünktlich um halb neun kamen Maureen und Dave mit ihrem Segelboot um uns und sieben Andere zur Whalewatching Tour abzuholen. Wir wurden mit wasserdichten warmen Hosen versorgt, über die wir sehr dankbar waren, denn obwohl die Sonne wieder schien und fast keine Wolken am Himmel war, wurde es ganz schön kalt draußen auf dem Wasser. Direkt als wir los fuhren, haben wir einen Zwergwal gesehen. Kurz darauf unseren ersten Weißkopfseeadler. Dann gab es zur Begrüßung English Tea und homemade Muffins. Maureen erklärte viel über die Walfamilien, die immer wiederkehren und deren Eigenheiten. Die Landschaft war bei dem herrlichen Wetter schön anzuschauen. Kleine Buchten mit gestrandetem Treibholz und ganz viele kleine Inseln, auf denen Robben die Köpfe in die Sonne strecken. Nach ca. einer Stunde haben wir dann gefunden was wir gesucht haben! Wir trafen auf einen ganzen Verbund Orcas mit ungefähr zwölf Tieren. Sie schwammen eine ganze Zeit  lang mit uns und kamen auch direkt zu uns ans Boot. Dann trifteten sie wieder ein Stück ab und spielten miteinander. Es waren faszinierende Bilder, die sich uns zeigten! Das Einzige, was noch spektakulärer hätte sein können, wäre wenn sie hoch aus dem Wasser gesprungen wären. Aber auch so hat sich die lange Fahrt in den Norden definitiv gelohnt! Auf der Rückfahrt hat Maureen Spezialitäten aus ihrer Heimat Neuseeland und Tee serviert und wieder ganz viel erklärt und erzählt. Diese Tour ist sehr familiär und persönlich. Keine Massenabfertigung wie bei anderen Anbietern. Auf der Rückfahrt haben wir dann noch einen Buckelwal gesehen, der aber recht schüchtern war und sich nie lange hat blicken lassen.

Als wir wieder an unserem Womo waren haben wir uns erstmal zweier Schichten entledigt, denn an Land war es herrlich warm. Wir sind dann recht zügig aufgebrochen, denn uns stand noch die lange Fahrt nach Tofino bevor.
Die Fahrt war wirklich sehr lang! Zwischendurch bin ich so müde geworden, dass wir Fahrertausch gemacht haben. Gegen acht erreichten wir dann endlich Tofino und machten uns auch gleich auf die Suche nach dem günstigsten Campingplatz. Zwar stehen hier immer jede Menge Schilder in der Landschaft, aber nie die, die man braucht. So sind wir mal wieder durch die Gegend geirrt und irgendwann auf einem unserer Wahlplätze angekommen. Dort war schon das Office zu. Wir trafen zwei Deutsche, die genauso ratlos waren wie wir. Sie sagten uns, dass sie schon auf drei anderen Campingplätzen gewesen seien, und die wären alle ausgebucht. Wir versuchten unser Glück dann doch noch nebenan und telefonisch (inzwischen ziemlich genervt und gereizt) bei einigen anderen Campingplätzen –ohne Erfolg. Letztlich sind wir einmal quer durch Tofino gefahren und haben uns am Ortsende an den Straßenrand gestellt. Mit gedämpftem Gemüt sind wir wortlos ins Bett.


Sonntag, 14.9.14

Die Nacht war ruhig. Um halb sieben wurden wir wach und wollten gerade aufstehen, als es an der Tür klopfte. Wir sind aufgeschreckt wie zwei Raketen. Wir hatten schon fast befürchtet dass unsere Nacht „wildcampen“ nicht ohne Folgen bleiben wird. Und so war es! Es war eine Dame von der Aufsichtsbehörde, die uns freundlich darauf hinwies, dass wir hier nicht nächtigen dürfen. Wir erklärten ihr mit flehenden Blicken, dass es schon so spät gewesen sei und alle Campingplätze voll. Sie sah von einer Strafe ab, gab uns einen Tipp wo wir für die nächste Nacht einen Platz finden könnten und wo wir über den Tag stehen können. Mit einem großen Seufzen der Erleichterung parkten wir unser Womo am Parkplatz des Tonquin Beach um und machten erst mal gemütlich Frühstück. Heute war ein Tag ohne feste Pläne, deswegen wollten wir es nach dem ganzen Trubel ruhig angehen lassen. Gemütlich nahmen wir den Trail zum Tonquin Beach, der noch menschenleer war. Die Bucht lag allerdings noch ziemlich im Schatten, deswegen verweilten wir auch nicht besonders lang, sondern fuhren weiter zum Long Beach. Dazu mussten wir aber erst kurz im Visitor Center halten um eine Parc Permission für 7,50$ pro Person zu erwerben. Wir hatten wieder herrliches Wetter – strahlender Sonnenschein und wolkenloser Himmel. Perfekt um die Badehose auszupacken! Am Strand war es so ruhig, dass wir beide für eine halbe Stunde eingeschlafen sind. Als wir wieder aufwachten war plötzlich deutlich mehr Betrieb. Man sah einige Familien, Hundespaziergänger, die ihren Hunden Frisbees ins Wasser warfen und einige Surfer. Nach zwei Stunden am Stand haben wir unsere Sachen wieder eingepackt um nicht noch einen Sonnenstich zu bekommen. Wir sind weitergefahren nach Ucluelet. Dort haben wir uns als aller erstes einen Campingplatz gesucht, obwohl es erst zwei Uhr war, aber sowas wie gestern wollten wir nicht nochmal erleben. Wir namen gleich den ersten der am Wasser lag. Der Ucluelet Campground kostet uns mit fullservice und tax 35$. Wir saßen auch hier noch etwas in der Sonne und überspielten die Fotos auf den Rechner und sortierten hier schon grob aus. Wir sind an Tag 4 schon bei über 500 Bildern…

Dann haben wir Frikadellen und Coleslaw vorbereitet und eingepackt. Nicht weit von unserem Campingplatz beginnt der Wild Pacific Coast Trail. Ein Teil des Trails führt wunderschön durch Wald und an der Küste entlang. An einem Aussichtspunkt schlugen wir unser Lager auf für ein Sonnenuntergangs Picknick auf. Als wir gerade mit essen fertig waren fragte mich Julia ob das ein großer Vogel sei, der da im Baum sitzt. Ich schenkte dem erst keine große Beachtung, da es ziemlich utopisch ist, dass mein kleiner Blindfisch etwas auf die Entfernung sieht. Aber tatsächlich! Ich packte das Teleobjektiv aus und da saß ein Weißkopfseeadler im Baum! Der hatte die Ruhe weg: Er saß und schweifte mit seinen Blicken über das Meer und die Bäume. Dann putzt er sich mal und lässt wieder Blicke schweifen. Irgenwann dachte ich er setzt endlich zum Flug an. Er musste aber nur mal für kleine Adler, was die Serienbildfunktion meiner Kamera auch sicher beweist. Einige Zeit später ist er dann doch los geflogen und ich habe ihn erwischt! Ein voller Erfolg! Etwas später erlebten wir noch einen herrlichen Sonnenuntergang.

Zurück am Campingplatz haben wir ein deutsches Pärchen getroffen, die den Stellplatz neben uns hatten. Im Womo haben wir uns noch ein leckeres Eis gegönnt und sind früh ins Bett, da am nächsten Morgen der Wecker um 6:45 gehen sollte.