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Donnerstag, 18.9.2014

Obwohl ursprünglich ein zweiter Tag für Whistler eingeplant war, haben wir spontan entschieden heute einen Fahrtag einzulegen und direkt in den Wells Gray Parc zu fahren, da das Wetter heute noch schlechter war. Eigentlich echt schade, wenn man in Betracht zieht, dass wir wegen der Whistler Gondula (die nur bis zum 21. September in Betrieb ist) unsere komplette Tour umgeplant haben. Aber egal, gegen das Wetter kann man nichts tun, außer das Beste draus zu machen. Also sind wir um neun Uhr aufgebrochen. Die erste Stunde führte uns durch eine wirklich schöne Landschaft, entlang eines Flusses mit herbstgefärbten Laubbäumen. Nach und nach wurde die Landschaft immer karger. Von Lillooet bis Kamloops hat die Landschaft schon Wüstencharakter.

Uns erinnerte sie an den Westen der USA. In Lillooet soll laut dem Dumont Reiseführer eine deutsche Bäckerei sein. Wir sind dort extra vorbei gefahren, in der Hoffnung ein leckeres Brot zu ergattern. Als wir den Laden gefunden hatten, war die Enttäuschung groß, denn der Laden ist „for sale“. In Kamloops haben wir noch einmal zum einkaufen und tanken angehalten. Der Sprit war hier mit 1,27$ echt billig! Das Einkaufen hier war eine größere Prozedur. Zuerst steuerten wir den Costco an. Wir litten direkt nach Betreten des Ladens an absoluter Reizüberflutung. Schnell wurde klar, dass das ein Großmarkt sein muss. Alles gab es nur in Monstergroßpackungen. Nachdem wir fünf mal alles geholt und wieder weg gestellt haben, sind wir dann doch mit einer Packung Äpfel, einem Dreierpack Gurken und einer Großpackung Ibuprofen – aber ohne Getränke, weil wir die nicht gefunden haben,  an die Kasse gegangen. Dort sagte der Kassierer uns, dass wir eine Membershipkarte bräuchten, um hier einkaufen zu dürfen. Er war aber sichtlich amüsiert über unsere Ahnungslosigkeit und ließ uns ausnahmsweise hier einkaufen, da wir aus deinem anderen Land sind. Wir sind dann noch in den 3 Kilometer entfernten „safe on food“ gefahren, um unsere Getränkevorräte noch aufzufrischen. Hier gibt es tatsächlich das leckere Fresca in 2 Liter Flaschen, was Julia sehr glücklich machte! 1,5 Stunden später gingen wieder auf die Strecke. Ca. 50km nach Kamloops ändert sich die Landschaft wieder komplett. Es wird wieder deutlich grüner und gibt wieder öfter Wälder. Im Wells Gray Parc angekommen haben wir uns erst einmal mit Infomaterial vom Visitor Center ausgestattet. Der Wells Gray Parc ist ein Provincial Parc und kostet somit keinen Eintritt. Er ist sehr schön. Es gibt fünf Wasserfälle, schöne Wälder und drei Campingplätze. Wir kamen in schöner Abendsonne an, so dass wir gleich an den Dawson Falls angehalten haben. Er ist in nur zehn Gehminuten vom Parkplatz aus erreichbar. Die Einheimischen sagen von den Dawson Falls es seien ihre Niagarafälle. Wir fuhren weiter und hielten kurz hinter der Brücke am Mush Bowl, einem weiteren schönen Strudel, an. Es gibt zwei staatliche Campingplätze: Den Pyramid Campground und den Clearwater Lake Campground, die beide nur 16$ kosten. Bei dem oberen gibt es eine Frischwasser- und Abwasserstation, die videoüberwacht ist und fünf Dollar kostet. Beide sind sehr schön im Wald gelegen, man hat ausreichend Platz zum Nachbarn, eine eigene Feuerstelle mit Tisch und Bänken. Für diese Nacht entschieden wir uns für den (oberen) Clearwater Lake Campground, da wir am nächsten morgen gleich in der Früh Richtung Baley’s Chute zum Bären beim Lachse fangen beobachten wollten. Ab Helmcken Falls wird die Straße ziemlich holprig, so dass wir zeitweise ein bisschen Angst hatten, dass unser Karren auseinander fällt. Wir haben es ohne Panne ans Ziel geschafft! Inzwischen war es dunkel. Dennoch hab ich unser Schiff sicher in unseren Platz manövriert. Wir haben noch Mozzarella Sticks und Salat gegessen und uns den Plan für den nächsten Tag zurecht gelegt. Dann sind wir auch recht zeitig ins Bett.


Freitag, 19.9.14

Wir hatten den Wecker auf sechs Uhr gestellt, um zeitig los zu kommen zu Baley’s Chute. Man liest überall dass die Bären früh morgens und spät abends verstärkt dort unterwegs sind. Nach zahlreichen nervigen Weckversuchen von Julia habe ich verschlafen beschlossen, dass es dort bestimmt noch viel zu neblig ist und die Bären auch noch schlafen. Um sieben habe ich dann resigniert und bin doch aufgestanden. Nachdem wir aber gestern extra ganz nach oben im Park gefahren sind, wollte ich noch den See bzw. Fluss hinterm Campingplatz anschauen. Julia scharrte inzwischen mit den Hufen und wurde immer ungeduldiger. Also hab ich schnell ein Bild gemacht und wir sind los gefahren. Am Baley’s Chute angekommen war eigentlich nur eine dicke Nebelsuppe sichtbar. Bären waren auch keine da. Wofür auch, es sah nicht so aus als wären noch Lachse da, die sie fangen könnten.  Na toll! Hätte ich auch im warmen Bettle bleiben können… Hab ich wieder einfach mal Recht gehabt.

Des Fiedens willen haben wir dann den 4,5 km langen Rundwanderweg gemacht. Man kommt an zwei schönen Stromschnellen vorbei und läuft eine ganze Zeit lang am Wasser entlang, bis der Pfad in den Wald führt und recht unspektakulär wird. Verglichen mit deutschen Wäldern sieht man auch ziemlich wenig Tiere, insbesondere sehr wenig Vögel. Gefrustet sind wir wieder am Womo angekommen und haben erstmal Frühstück gemacht, um die Laune wieder zu heben. Hat zum Glück funktioniert, wobei Julia sichtlich traurig darüber war, dass wir keine Bären gesehen haben. Inzwischen war es halb elf und wir machten uns weiter auf den Weg Richtung Helmcken Falls. Zu den Helmcken Falls läuft man nur zwei Minuten vom Parkplatz aus. Es ist ein recht hoher Wasserfall, der sich aus einem schwarzen Loch ergießt und schön von Moos umgeben ist. Dort haben wir auch wieder unser deutsches Pärchen Jutta und Stefan getroffen, mit denen wir uns für den Abend zum BBQ verabredet haben. Wir wollten unbedingt noch zu den Moul Falls. Die Wanderung zu den Moul falls und zurück wird mit zwei Stunden angegeben. Wir waren gut drei Stunden dort unterwegs. Der Weg führt erst über eine breite Sandpiste durch Birkenwälder, die unter dem strahlend blauen Himmel wunderschön waren. Nach etwa 15 Minuten standen drei Leute am Wegesrand und beobachteten einen Schwarzbär, der gemütlich graste. Leider verschwand er recht schnell hinter Gebüsch und Baumstämmen. Wieder frohen Mutes, doch noch Bären zu sehen (ohne 100$ für eine blöde Bärentour zu zahlen) gingen wir weiter Richtung Wasserfall. Der Pfad wird schnell deutlich schmaler und geht einige Male auf und ab, ist aber insgesamt recht angenehm zu laufen. Vom View Point sieht man den Wasserfall nicht richtig, weil man direkt drüber steht. Der Pfad führt aber noch weiter, den Hügel runter, über Treppen bis zum Fuße des Wasserfalls. Wenn es geregnet hat braucht man unbedingt festes Schuhwerk, da es recht glitschig ist. Die Moul Falls sind wirklich schön, der weg lohnt sich! Oberhalb stehen auch wieder schöne Birken. Man kann hinter dem Wasserfall durchlaufen und schön ins Tal hineinsehen. Wenn das Wasser hinabgestürzt ist, schlängelt es sich als Fluss weiter durch eine kurze Mooslandschaft und fließt dann gemütlich weiter. Nachdem alle Fotos im Kasten waren haben wir uns auf den Rückweg gemacht, immer den Blick in den Wald gerichtet, ob nicht nochmal ein Bär über den Weg läuft.

Und tatsächlich! Kaum hatten wir wieder die breite Sandpiste erreicht stand rechts am Waldrand wieder der Schwarzbär! Er war wirklich nah, vielleicht 15 Meter entfernt von uns. Er hat uns gesehen und dann wieder den Kopf gesenkt und weiter gefressen. Er war sichtlich entspannt und es schien ihn nicht zu stören, dass wir ihn beobachten. Vorsichtig blieben wir eine Weile hier stehen und schauten ihm zu, ergatterten auch ein paar schöne Bilder, bei denen er direkt in die Kamera schaut. Leider war ziemlich viel Gestrüpp dazwischen. Aber es war trotzdem ein tolles Erlebnis! Inzwischen war es schon wieder halb fünf, also fuhren wir wieder 20km Richtung Norden zum Pyramid Campground. Das ist auch ein staatlicher, sehr schöner, aber einfacher Campingplatz. Es gibt kein Strom, Wasser oder Abwasser, dafür viel Platz und Lagerfeuer. Unser deutsches Pärchen war schon da und wir parkten auf dem Platz gegenüber. Nach einer schnellen Dusche haben wir schon die Folienkartoffeln, die Angus Steaks und das Lagerfeuer vorbereitet. Die anderen haben Tomatensalat und Bier mitgebracht. Es war ein schöner Abend, der aufgrund der feuchten Kälte schon um neun zu Ende ging. Wir haben dann noch unsere Bilder auf den PC gezogen und haben uns dann unter die Decken gekuschelt. Die Nacht war ziemlich kalt! Wir haben mit Socken geschlafen….